Station 11 | Auendynamik |

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Auendynamik

An die Dynamik der wiederkehrenden Überflutungen der Flussaue ist die Tier- und Pflanzenwelt der Aue angepasst. Deichbau und technischer
Gewässerausbau schränken diese Dynamik ein oder verhindern sie.
Der Siedlungsbereich von Lünen ist für die Lippe seit jeher das reinste
„Nadelöhr“.
Hochwasser richtete oft große Schäden an. Deshalb schützte der Lippeverband in den 1930er Jahren den auf dem tiefer gelegenen, häufiger überschwemmten Südufer liegenden Stadtkern mit Deichen.
Als starke Hochwässer in den 1960er Jahren die Lippeaue großflächig

überfluteten, bestand hier am Nordufer der Deich noch nicht – das Wasser reichte bis an die Alstedder Straße.

Hochwasserkarte
Ausdehnung eines Hochwassers der Lippe bei Lünen, welches im statistischen Mittel alle 10 Jahre eintritt. Der Deich schützt die dahinter liegenden Gebiete (gelb eingetragen) vor Überflutung. (Quelle: Auszug aus den Hochwassergefahrenkarten für häufige Hochwasser (Stand 2014), Bezirksregierung Arnsberg)
Daten zum Deichbau am Nordufer der Lippe
1972 – 1978 Zum Hochwasserschutz wird das rechte
Lippeufer in Lünen auf 3 km Strecke eingedeicht
1995 Deichverlängerung um etwa 1 km bis zum Heikenberg
wegen bergsenkungsbedingter Überschwemmungen
Der verlängerte Deich hat hier dem Fuchsbach die Vorflut
zur Lippe abgeschnitten. Seitdem wird sein Wasser durch
ein Pumpwerk in einen Ablaufgraben Richtung Lippe
befördert
Heute kann sich das Lippewasser nur noch in der übrig gebliebenen Aue bis zum Deich ausbreiten. Dieser Bereich ist auch Naturschutzgebiet und
Europäisches Fauna-Flora-Habitat-Gebiet und bietet vielen Wat- und

Wasservögeln Nahrung und Rastmöglichkeiten.

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Kiebitz mit Jungvogel (Foto: Günter Reinartz)

Auengewässer als Kinderstube

Noch vor über 100 Jahren waren die Quappen überall in der Lippe zuhause. Da wurde die Aue noch regelmäßig überflutet, was für Quappen besonders wichtig ist. Die frisch geschlüpften Jungfischchen können sich nämlich am besten
entwickeln, wenn sie im Frühjahr mit dem Hochwasser in einen flachen
Auentümpel getragen werden. Dort wachsen sie ungestört ein paar Wochen heran und gelangen mit dem ablaufenden Hochwasser wieder in den Fluss. Durch den Ausbau der Lippe ist dieser Kreislauf unterbrochen worden.
Nur oberhalb von Hamm konnte ein Restbestand überleben. Seit einiger Zeit ist der Kontakt zwischen Fluss und Aue an vielen Stellen verbessert worden.
Die Menschen haben Quappen  nachgezüchtet und in Lippe und Seseke

ausgesetzt.

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Quappe (Foto: Margret Bunzel-Drüke)

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